Humidore

Humidore stehen etwas quer in unserem Sortiment. Denn Humidore sind die Ausnahme von der Regel, dass hochwertige Schatullen kaum noch gebaut werden. Ein Blick ins Internet genügt, und Sie werden feststellen, dass der Markt mit Humidoren geradezu überschwemmt ist. Woran liegt das? Ganz einfach, solange gute Zigarren geraucht werden, benötigt man auch Schatullen zu ihrer Lagerung. Zigarren raucht man ja nicht einfach so weg wie eine Schachtel Zigaretten. Für eine Zigarre wartet man auf den richtigen Moment, den Beginn des Wochenendes, den Besuch eines besonderen Gastes, einen Moment des Nachdenkens oder die stille Feier eines Erfolgs. Ärgerlich, wenn man dann statt einer satten Havanna mit glutfördernder Restfeuchte ein bröseliges Röhrchen braunen Laubs in der Hand hält.

Eine gute Zigarre will also gut gelagert sein. Was heißt das? Zigarren halten sich am besten bei einer konstanten Luftfeuchtigkeit von ca. 70% und in einer Umgebung, deren Aroma dem des Tabaks nicht abträglich ist. Natürlich erfordert das ein funktionstüchtiges Befeuchtungssystem. Aber aus Sicht des Humidorbauers ist das sekundär. Einen Befeuchter (Humitiv) bringt man ganz zuletzt an, bestenfalls macht das der Benutzer sogar selbst. Darum bieten wir sie auch separat an. Aber die Feuchtigkeit nützt nichts, ja sie ist sogar schädlich, wenn sie nicht Teil eines stabilen Raumklimas ist. Und ein guter Humidor ist nichts anderes als ein Raum, in dem sich ein Klima ausbilden kann. Dass er das kann, liegt vor allem an der Qualität des verwendeten Materials, und dieses Material hat einen Namen.

Die Wände unserer Humidore bestehen komplett aus Spanischer Zeder. Der Name ist irreführend, aber verständlich. Die cedrela odorata, so der botanische Terminus, ist ein Mahagonigewächs, das allerdings so intensiv duftet, dass sich als Handelsname der Inbegriff eines geruchsstarken Holzes eingebürgert hat. Dass man die Spanische Zeder wegen dieses Duftes, der tatsächlich an Tabak erinnert, aber auch an Pfeffer, zum Humidorbau verwendet, liegt auf der Hand. Mindestens ebenso wichtig sind aber die klimatischen Eigenschaften dieses Materials. Es ist nicht besonders dicht, darum kann es Feuchtigkeit leicht speichern und wieder abgeben – viel feiner dosiert, als es auch der beste Apparat je könnte. Das Humitiv speist die Feuchtigkeit in den Raum ein, mit elektronischem Regler sogar ziemlich präzise, aber erst im Austausch mit den Holzwänden entsteht das Lagerklima.Technisch gesehen, entscheidet daher vor allem die Menge der verwendeten Spanischen Zeder über die Qualität eines Humidors.

Und genau da liegt das Problem. Die allermeisten Humidore erfüllen ihren Zweck nicht, weil sie am wichtigsten Material sparen. Denn die Spanischer Zeder hat ihren Preis – der Kubikmeter kostet derzeit ca. 2.500 Euro -, genau wie gute Tischlerarbeit. Aber mit den Preisen, zu denen viele Humidore angeboten werden, wird ein seriöser Produzent nicht mal seine Kosten decken können. Aber es gibt diese seriösen Produzenten durchaus, und nur sie haben wir im Blick, wenn wir für unsere Humidore werben.

Wodurch unterscheidet sich also ein Humidor aus unserer Produktion von der Konkurrenz? Zum einen im Preis. In der Regel zahlen sie bei guten Humidoren nicht nur für die Qualität des Produkts, sondern auch für den Klang des Herstellernamens. Das ist in gewissen Grenzen völlig in Ordnung, schließlich muss man sich einen guten Namen erstmal verdienen. Auch unsere Humidore haben ihren Preis, aber als Neulinge auf diesem Markt wissen wir um die Konkurrenz.

Zum anderen, und das ist viel wichtiger, im Design. Machen wir uns nichts vor: Humidore sollen nicht nur ihren Zweck erfüllen – sie dürfen auch ruhig ein bisschen was hermachen. Dennoch sehen die meisten Humidore, selbst die teuersten, gleich aus, um nicht zu sagen: sterbenslangweilig. Meistens handelt es sich dabei um solide Quader mit monotoner Oberfläche: eine Form, ein Material, fertig. Bestenfalls. Schlimmstenfalls wird die Eintönigkeit ornamental frisiert, durch intarsierte Tabakblätter, protzige Außenhydrometer, aufgeklebte Beschläge, Schlüsselquasten und was der Scheußlichkeiten mehr ist. Dabei hat die Monotonie bzw. ihre zwanghafte Vermeidung durchaus nachvollziehbare Gründe. Da die Wände eines guten Humidors aus einem Holz bestehen, das zwar wunderbare Aromaqualitäten besitzt, aber leider nicht sehr ansehnlich ist, ist die Außenseite von Humidoren im Grunde Kosmetik. Manchmal ist sie lackiert. Aber meistens ist sie furniert. Daran ist gar nichts auszusetzen – aber warum fragt sich niemand, wann eine Furnierschatulle gut aussieht? Dass wir uns diese Frage gestellt haben, liegt vielleicht daran, dass wir vom Schatullenbau kommen, also einem Zweig der Kunsttischlerei. Was meiner Meinung nach eine schöne Furnierschatulle ausmacht, habe ich an anderer Stelle beschrieben.

Doch gerade als Schatullenbauer reizt uns noch eine ganz andere Frage. Wenn man sagt, ein guter Humidor muss furniert sein, weil es auf die Wände aus Spanischer Zeder ankommt, denkt man die Sache vom Hauptzweck her. Man kann sie aber vom Nebenzweck her denken. Warum nicht von der Optik ausgehen? Warum nicht, statt immer wieder stumpf den Duftholzquader mit Furnier zu verschönern, eine schöne Schatulle beliebiger Machart von innen so ausbauen, dass sie zum Humidor wird? Im Prinzip bedeutet das, eine Schatulle (aus Spanischer Zeder) in der Schatulle (gleich welcher Form und welchen Materials) herzustellen. Wie Sie auf dem Bild oben sehen können, haben mit wir mit einem skulptural gearbeiteten Modell gezeigt, dass das möglich ist. Doch das war erst der Anfang. Das nächste Ziel heißt: Humidor goes Urushi. Das wäre dann eine echte Weltneuheit.

Schließlich noch ein paar Worte zu den Details. Wenn Sie unsere Humidore von innen betrachten, werden Sie vermutlich zwei Dinge bemerken. Zum einen das helle Holz mit schachbrettartigen Muster. Das Holz – Abachi oder Samba – soll die Zigarren vor dem direkten Kontakt mit den Wänden schützen. Denn das Aroma, um deretwillen die Spanische Zeder ja nicht zuletzt verwendet wird, hat einen Nachteil: Es bringt eine Neigung zum Ausharzen mit sich, und so angenehm das Harz duften mag – rauchen wollen Sie es nicht. Die Rillen haben eine dreifache Funktion. Sie lassen das Aroma des Zedernholzes durch. Sie ermöglichen sie es der vom Humitiv abgesonderten Feuchtigkeit, im Innenraum des Humidors zu zirkulieren (da es im Deckel angebracht ist, würden andernfalls immer nur die oben liegenden Zigarren sanft berieselt). Und sie bieten den Raumteilern Halt, mit denen Sie Ordnung in Ihren Humidor bringen können. Zum anderen werden Sie vermutlich die auffälligen Winkelstellerscharniere vermissen, ohne die man sich einen Humidor heutzutage kaum noch vorstellen kann. So blitzeblank sie auch vor sich hinglänzen mögen, sind sie aber gerade kein Qualitätsmerkmal. Denn für Scharniere gilt: Je weniger man von ihnen sieht, desto besser sind sie gesetzt.